Dord Iseal, Dord Ard, Adharc

Es handelt sich dabei um ein aus Bronze gegossenes Horn, von dem es drei verschiedene Grundtypen gibt, die sich nach Größe und Art des Ansatzes (end blow oder side blow horn) unterscheiden. Allein in Irland wurden seit Beginn des 19. Jahrhunderts bei Ausgrabungen über 100 dieser einmaligen Instrumente entdeckt. Alle sind in der Bronzezeit - zwischen 1.600 und 800 vor Chr. entstanden. Über die Menschen die auf diesen Hörnern gespielt haben und wie sie gespielt wurden ist uns nichts überliefert. Es war eine vorkeltische Kultur, da die Kelten erst 400 v. Chr. nach Irland kamen.

Den metallurgischen Kenntnissen und Fähigkeiten dieser Kultur verdanken wir dieses einzigartige Zeugnis früher europäischer Musikgeschichte. Kein anderes Material außer Metall konnte im irischen Klima die Jahrtausende überdauern. Die Originale mussten nach dem Giessen nicht mehr bearbeitet werden (sie weisen keine Bearbeitungsspuren auf!), sie kamen perfekt aus der Form. Trotz größter Bemühungen in Irlands bester Gießerei, ist dies bei den Replikationen bisher noch nicht gelungen. Auch nach akustisch-physikalischen Gesetzen haben diese Hörner die perfekte Form. Die Gruppe der kleinsten Hörner – "Arwd Hark" genannt : sie haben Kuhhornform und werden auf der Seite, an einer ovalen (2x4cm großen) Öffnung gespielt. Die Gruppe der mittleren Größe "Dord Arwd" : hat eine Form wie das Horn eines Urs, ca. doppelte Größe eines Kuhhorns. Sie werden von Hinten (end blow) angeblasen, das Mundstück ist rund und hat ca. einen Durchmesser von 2cm. Die Gruppe der Größten Hörner - "Dord Iseal" ist ebenfalls "end blown", die Länge beträgt 1,2m bis 1,4m, das Mundstück hat einen Durchmesser von ca. 3cm. Alle gefundenen Hörner sind in einer Harmonie zueinander gestimmt! Mit einer Ausnahme – die zu stark korrodiert ist – innen fast zugewachsen. D.h. das alle miteinander gespielt werden konnten.

Das Wissen um die Spieltechnik auf diesen Bronzezeithörnern ist uns Dank der mündlichen Überlieferung der australischen Ureinwohner bekannt - die Dord Iseal werden gleich wie ein Didgeridoo gespielt (es ist die einzige Möglichkeit ihnen sinnvolle Töne zu entlocken). Das "Dord Iseal", was soviel wie Basshorn bedeutet, klingt auch fast wie ein Didgeridoo (nur mit viel Erfahrung hört man den feinen Unterschied).

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf Simon O'Dwyer verweisen, der als einziger diese Hörner nachbaut, der erste war, der in der Neuzeit darauf wieder Musik machte. Und zusammen mit Phil Cunningham, Maria Cullen O'Dwyer und Alan Dargin unter dem Gruppennamen "Reconciliation" Didgeridoo und irische Bronzezeit Hörner verbindet.